Als Mutter liegt mir die Sensibilisierung und Bildung im Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln am Herzen. In meiner Funktion als Mitglied des politischen Beirats des Vereins Swiss Police ICT setze ich mich ausserdem für die Förderung von Aktivitäten zur Bekämpfung der Computer- und Internetkriminalität ein.
Cyberbullying ist eine neue Form des Internet-Mobbings. Der Begriff umfasst – ähnlich wie der Begriff des Stalking (deutsch: Nachstellung) – ein ganzes Bündel von Phänomenen. So werden zum Beispiel das Verprügeln eines gleichaltrigen Jugendlichen oder gar die Vergewaltigung von Mädchen und Frauen gefilmt und aufs Netz gestellt. In Chat-Foren werden Menschen namentlich beleidigt. Fotomontagen auf Webseiten zeigen plötzlich das eigene Gesicht auf einer pornographischen Darstellung und per SMS werden hasserfüllte Drohungen ausgesprochen.
Cyberbullying: Neue Gefahren aus dem Internet
Wer den Kollegen oder die Klassenkameradin tyrannisieren bzw. mobben will, tut dies heute einfach per Internet. Es braucht nur einige Mausklicks, um per Montage einen ungeliebten Mitschüler zu einem Darsteller in einem Pornofilm zu machen oder den Kopf der Kollegin mit einem nackten Körper per Verteilerliste ins Netz zu stellen. Auch Erniedrigungen oder Androhung von Gewalt durchs Internet ist eine Form von Psychoterror, die unter den Begriff Cyberbullying fällt. Das Phänomen nimmt stark zu, viele Kinder und Jugendliche leiden darunter.
Bekannt geworden ist Cyberbullying durch den Kanadier Ghyslain Raza, dessen harmloser, selbst gedrehter Videofilm von seinen Klassenkameraden gestohlen, dann manipuliert und später ins Internet gesetzt wurde. Die veränderte – verhöhnende – Version des Films wurde weltweit verbreitet. Das Opfer ist seither in psychologischer Behandlung.
Nebst allen positiven Seiten des Internets, bietet dieses gleichzeitig grosse Möglichkeiten zu kriminellen Handlungen. Wer als Vater oder Mutter glaubt, der 10-jährige Sohn oder die 11-jährige Tochter sitze "sicher" vor dem Computer, geschützt im eigenen Haus, irrt. In Diskussionsforen für Kinder tummeln sich Pädophile, harte Pornographie ist einfach zu finden und Viren und Trojaner spionieren den eigenen Computer aus. Eine heute 40-jährige Mutter kennt die neuen Gefahren nicht, ist sie doch selbst ohne Internet aufgewachsen. Die heutige Elterngeneration hat nicht gelernt, mit solchen Gefahren umzugehen, bzw. die Gefahren sind ihr nicht bewusst.
Wenn der Bund den rasanten Trend, der das Cyberbullying erfährt, brechen will, gelingt dies nur mit einem raschen Handeln, gemeinsam mit den Kantonen und den Gemeinden, bzw. den Städten. Eltern, Lehrpersonen und die Jugendlichen selbst müssen sensibilisiert werden, griffige Massnahmen für Prävention und Intervention müssen erarbeitet werden. In gewissen Städten (Bsp. Zürich) und Gemeinden wird bereits Präventionsarbeit geleistet. Das Know How, welches sie sich erarbeitet haben, soll rasch und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden.
Ich fordere den Bund auf, den Lead gegen Cyberbullying zu übernehmen und ganzheitliche Massnahmenpakete zu erarbeiten, diese gezielt aufeinander abzustimmen und zu koordinieren. Die Massnahmen müssen auf der richtigen Stufe initiiert werden. Lehrpersonen müssen rasch und unkompliziert auf Informationen über neue Entwicklungen im Bereich Cyberkriminalität zugreifen können. Der Bundesrat ist gehalten, schnell zu reagieren.